Kindern erzählen, Lehrende ausbilden

Nach ihren Lieblingsstoffen gefragt, schwärmt Alumna Maria Carmela Marinelli von Schwänken, karnevalistischen Situationen, Zaubermärchen. Sie hat schon in der Schule mit Vorliebe andere zum Lachen gebracht, vor allem mit Scherzen in Mundart, die sie besonders liebt. Auch heute hängen Kinder an ihren Lippen, wenn sie erzählt – zum Beispiel in Berliner Grundschulen und Kindergärten im Rahmen des Projekts ErzählZeit oder in Leipzig, wo sie derzeit ein neues Erzählprojekt für eine Grundschule entwickelt. „Kinder hören intensiv zu, spiegeln meine Mimik und haben immer tolle Vorschläge, wie eine Geschichte weitergehen soll ... Wenn ich für Kinder erzähle, lasse ich gerne Teile der Geschichte offen. Es macht großen Spaß, mit Kindern über diese Leerstellen zu philosophieren.“ Wie das geht, bringt sie seit Abschluss ihrer Weiterbildung im Künstlerischen Erzählen mit großer Freude Menschen aus verschiedenen pädagogischen Berufen bei. Mehr über Maria Carmela Marinelli:

PDF: Ein Geschenk an das Publikum

Foto Carmela Martinelli

Zurück zu den Wurzeln

Nach Abschluss des Zertifikatskurses ist Nazlı Çevik in ihre Heimatstadt Istanbul zurückgekehrt und setzt sich seitdem unermüdlich für das Erzählen als performative Kunstform ein. Sie war sich zwar sicher, dass es in der türkischen Hauptstadt Interessenten für ihre erzählpädagogischen Angebote geben würde – wie groß die Nachfrage nach Ihren Kursen tatsächlich ist, hat sie dann aber doch überrascht: „Ich bin erstaunt, wie sehr sich die Menschen hier für das Erzählen interessieren. Viele, die in meine Kurse kommen, sind schon einmal mit dieser Kunst in Berührung gekommen, meist im privaten Umfeld. Sie sind begeistert, dass man Erzählen tatsächlich erlernen kann; dass es Wege gibt, zum Erzählen zu kommen. Viele der Methoden, die ich in meinen Kursen anwende, habe ich in meiner Weiterbildung kennengelernt, einige von ihnen versuche ich hier weiterzuentwickeln.“ Mehr über Nazlı Çevik:

PDF: Zurück zu den Wurzeln

Foto Nazli Çevik

Mit Mythen vermitteln

„In Berlin werden weit über 100 Sprachen gesprochen. Ich wünsche mir, dass mehr von ihnen hörbar werden – und mit ihnen die Geschichten der jeweiligen Kulturen. Wir brauchen Geschichten, um uns einander anzunähern“, so der Berliner Erzähler Ilhan Emirli über seine Vision von Verständigung. Fasziniert von den Mythen der Griechen, Römer und Türken, arbeitete er sich während der Weiterbildung in eine Vielzahl von Geschichten ein. Schnell keimte der Wunsch auf, einige von ihnen am historischen Ort zu erzählen: Die Idee des ersten internationalen Erzählfestivals in der Türkei war geboren. Im April 2013 war es soweit: Mit ihrer Storytelling-Dozentin Suse Weisse reist eine Gruppe angehender Erzähler in das Dorf Şirince nahe des antiken Ephesos. Drei Tage lang erklang der kleine Ort auf Türkisch, Griechisch, Italienisch, Englisch und Deutsch. Die Berliner erzählten auf Straßen und Plätzen, in Cafés und Gotteshäusern, mit Musik und Tanz. Überall, wo sich ein Publikum verzaubern lassen wollte, boten sie ihre Kunst dar. Mehr über Ilhan Emirli:

PDF: Mit Mythen vermitteln

Foto Ilhan Emirli

WIRBEL.WIND.KONZERTE.

Die Musikerin und Alumna der Weiterbildung Kathrin Bonke hat ein ungewöhnliches Erzählprojekt ins Leben gerufen: In ihren WIRBEL.WIND.KONZERTEN. verbindet sie klassische Kammermusik mit frei erzählten Geschichten für Kinder von vier bis acht Jahren. „Kinder gehen vorurteilsfrei mit Musik um, lieben es, sich von musikalischen Geschichten verzaubern zu lassen und selbst mitzumachen“, weiß die begeisterte Flötistin, Musikpädagogin und Erzählerin.

Die Erzählkonzerte, die sie gemeinsam mit den Profimusikern des WIRBEL.WIND.ENSEMBLES auf die Bühne bringt, schenken Kindern künstlerisch wertvolle Erlebnisse und vermitteln damit auf spielerische Weise kulturelle Bildung. 

Foto Kathrin Bonke

Liebesgeschichten

Franziska Bauer, Alumna des Kursdurchgangs 2013/14, übernahm 2015 im Auftrag von pro familia die Konzipierung und Durchführung von Workshops für den sexualpädagogischen Arbeitsbereich des Verbandes in Potsdam. Franziska Bauer über ihr Projekt: Das Erzählen ermöglicht das Betreten anderer pädagogischer Räume. Die Jugendlichen werden an die Themen Sexualität und Körperlichkeit, aber auch an das Erzählen selbst herangeführt. Durch das Erzählen und Hören unterschiedlicher Geschichten wird deutlich, dass Handlungen Konsequenzen haben für unsere Träume, Wünsche und unser Leben. Das Erzählen als Methode hilft Jugendlichen, sich zu öffnen, ihre Geschichte zu entdecken und Dinge zu verarbeiten. Mit der Verbindung aus sexualpädagogischer Arbeit und künstlerischem Erzählen wird eine neue Form der geschlechter- und menschenrechtsorientierten Bildungsarbeit umgesetzt, die das gleichzeitige Lernen auf der emotionalen, körperlichen und kognitiven Ebene initiiert.“

Foto Franziska Bauer